31. Brüder-Grimm-Lauf von Hanau nach Steinau

Es war einmal … in 5 Etappen über 80 km …
Der Ausflug zu Grimms Märchen hat sich gelohnt. Wir hatten ein erlebnisreiches, wenn auch sehr anstrengendes Wochenende. Allen Helfern ein riesen Dankeschön für das tolle Erlebnis und die super Organisation. Und auch die Zuschauer waren gut drauf und haben uns kräftig unterstützt.
Hier schon mal ein Ausblick auf das Profil der kompletten Strecke:

HG_Profil
Und so ging es los:
Am Freitag bei der Anreise schon das erste Mal Panik. 5 min vor der eigentlichen Ankunft steckten wir im Stau … und die Zeit für die Abholung der Startunterlagen verstrich, dabei war ich schon wegen der fehlenden Klimaanlage total nassgeschwitzt … aber alles ging noch mal gut. Wir standen 11 min vor dem Startschuss am ersten Startpunkt in Hanau auf dem Marktplatz.

Vor dem Start zur 1. Etappe in Hanau auf dem Marktplatz

Vor dem Start zur 1. Etappe in Hanau auf dem Marktplatz

Die Sonne meinte es gut mit allen, die sich im Freibad vergnügten. Für uns Läufer allerdings war es eine zusätzliche Belastung. Die Rotkäppchen-Etappe sollte mit ca. 15 km und 49 hm eher zum Einlaufen/Einstimmen dienen, statt dessen wurde es bei 33°C eine echte Herausforderung. Ich hatte mir vorgestellt, mit 5er Pace loszulegen, bremste aber nach dem ersten Kilometer bereits auf Marathontempo herunter. Schließlich wollte ich durchhalten, das war das Ziel.
Die Kilometer schlichen nur langsam vorbei, die Hitze machte allen zu schaffen. Die erste Getränkestation kam nach 5 km (nach einer gefühlten Ewigkeit) und brachte etwas Erlösung. Aber es blieben ja noch 10 weitere Kilometer … und es kamen wieder die quälenden Gedanken „Warum mache ich das nur? … So etwas mache ich nie mehr … Warum … Warum …“. Ganz schnell versuchte ich mich abzulenken, erholte mich beim Gehen, konzentrierte mich darauf, meine Kraft einzuteilen … und war dem Ziel dann gar nicht mehr so fern. Bald kam auch das Lächeln wieder …
Und dann glücklicher Zieleinlauf in Niederrodenbach. Na also, schon eine Etappe geschafft 🙂
Unser Gepäck war in der Zwischenzeit in den Zielort transportiert worden. Alles stand für uns bereit. Jeder freute sich nun auf die Dusche. Damenduschen? Äh, … da war ein Schild … aber das hat keiner beachtet. Interessiert hier keinen …
Ergebnis heute: 7. Platz in der Ak / 42. Frau von 136
495 Finisher gab es insgesamt
Auf Gemeinschaftsübernachtung in der Halle hatten wir verzichtet und nahmen gern das Übernachtungsangebot meiner Lauffreundin Beate an. Bei ihr wurden wir auch noch verwöhnt und genossen einen wunderschönen Sommerabend am Grill.

Auf zur Dornröschen-Etappe:
Gestartet wurde am Zielpunkt des Vortages. Ausgeschrieben waren 14 km mit 195 hm. Dieses mal startete ich gleich vorsichtiger. Zum Glück war es über Nacht etwas abgekühlt auf ca. 21°C und bald liefen wir auch im Wald, so dass es weitaus angenehmer war. Bei Steigungen legte ich dennoch Gehpausen ein, um mal andere Muskeln zu beanspruchen und weiter Kraft sparen. Mein „Gehpausen-Partner“ vom Vortag war wieder zur Stelle. Wir trafen uns auch weiterhin, wenn es aufwärts ging.
Nach der letzten Steigung führte die Strecke nur noch bergab bis zum Ziel. Die Sonne begleitete uns zwar wieder, aber abwärts und das Ziel bald vor Augen war es auszuhalten. Bei der nächsten Getränkehaltestelle war ich ganz froh über die angebotene Cola. Ich fühlte mich danach gleich viel besser.
Und ein weiterer glücklicher Zieleinlauf, dieses mal in Neuenhaßlau. Zwei Etappen geschafft 🙂 Na also. Geht doch.
Vor der Halle mit den Duschen sah es lustig aus: mit durchgeschwitzten Laufsachen und Handtüchern geschmückte Zäune, Sträucher, Bäume …

Nach der 2. Etappe ... große Wäsche ;)

Nach der 2. Etappe … große Wäsche 😉

Schulhof und Spielplatz wurden nach dem Duschen sofort von uns in Beschlag genommen. Auf Decken, Isomatten oder sogar mitgebrachten Liegen erholten sich alle Läufer nun bis zum nächsten Start am Nachmittag … naja, nicht alle. Es gab tatsächlich Einzelne, die die Pause für Übungen nutzten.
Die fleißigen Helfer versorgten uns noch mit Nudelsuppe, Wurst, Bananen, Kaffee+Kuchen … uns ging es richtig gut.
2. Etappenwertung: 7. Platz W50, 47. Frau
Gesamtergebnis nach der 2. Etappe: 7. Platz W50, 43. Frau
noch 473 Läufer im Rennen

... verdiente Pause

… verdiente Pause

Es geht weiter, Schneewittchen-Etappe:
… ausgeschrieben mit 17 km, 173 hm, von Neuenhaßlau nach Gelnhausen. Start war am Nachmittag 16:30 Uhr. Die Temperatur war wieder auf fast 30°C angestiegen. Wir waren gespannt, was unsere Beine sagen würden, wenn es weitergeht, denn eigentlich waren die schon k.o. Es hieß also wieder Sachen zusammenpacken, alles in den Gepäcktransporter und ab zum nächsten Start. Wieder kämpften wir mit der Wärme und den Steigungen. Aufwärts waren Gehpausen angesagt. Die Beine hatten sich aber offensichtlich auf die Anforderung eingestellt. Irgendwie liefen sie dann wieder automatisch weiter. Mein Gehpausen-Partner war mir jedoch irgendwie abhanden gekommen.
Aufgrund der nun wieder gestiegenden Temperatur gab es oft genug Getränkestops mit Wasser und Cola. Wir wurden gut versorgt. Auch Anwohner halfen immer wieder mit, uns die Wärme erträglicher zu machen und duschten uns mit ihren Wasserschläuchen. Die Läufer um mich herum „kannte“ ich inzwischen. Offensichtlich hatten wir alle unser Tempo gefunden und liefen nun zusammen.
Nach dem geschafften höchsten Punkt der Strecke ging es dann bis zum Ziel nur noch bergab. Auch das war nicht ganz einfach. Zu leicht wird man dann verführt, zu schnell zu laufen. Aber es standen ja noch zwei schwierige Etappen aus, so dass ich vorsichtig mit dem Tempo blieb. Auch bergab wird irgendwann anstrengend, trotz Aufmunterung durch Helfer und Zuschauer.
Endlich hieß es: nur noch 900 m bis zum Ziel. Endlich. Der Zieleinlauf war auf dem Sportplatz. Jeder, der dem Ziel zusteuerte, wurde mit Namen und Verein genannt, wie auch in allen anderen Etappen. Stolz und lächelnd lief dann jeder durch den Zielbogen. Mein abhanden gekommener Bergpausen-Partner wartete hier schon auf mich – er hatte wohl ein schlechtes Gewissen, dass er am Berg die Gehpause weggelassen hatte und mir davongelaufen war 😉 Auch mit anderen Läufern gab es im Ziel kurz einen Austausch, irgendwie kannte man sich ja inzwischen.
Ergebnis der 3. Etappe: 6. Platz W50, 41. Frau
Gesamtwertung nach der 3. Etappe: 7. Platz W50, 41. Frau
noch 455 Finisher in der Gesamtwertung
Am Abend wurden wir mit einer Nudelparty belohnt. Hier lohnte sich ein logistisch günstiger Platz in der Nähe des Buffets mit einem Sprint nach Buffetfreigabe 😉 Es wurde ein unterhaltsamer Abend mit reichlich Nudeln in allen Variationen, Programm, Tompola und Gedankenaustausch.

Sonntag – Es wird heftig. Frau Holle-Etappe:
Start 9:00 Uhr auf die 16,8 km lange Strecke mit 357 hm. Wir hatten Respekt vor dieser Etappe, die schließlich die schwierigste werden sollte. Und wir hatten bereits mehr als einen Marathon mit Höhenmetern in den Beinen. Wir konnten uns gar nicht vorstellen, dass Weiterlaufen noch möglich sein sollte. In der Nacht hatten meine Beine so intensiv gearbeitet, so dass ich trotz absoluter Müdigkeit nur schlecht geschlafen hatte.

Start in Bad Orb zur 5. und letzten Etappe

Start zur 4. Etappe

Start war in Gelnhausen, Ziel in Wächtersbach. Es blieb kaum Zeit zum Warmwerden. Bereits nach einem Kilometer begann der mehrere Kilometer anhaltende Anstieg. Heute hatten wir jedoch den Vorteil, dass es wesentlich kühler war und wir nicht zusätzlich durch die Hitze belastet wurden. Meinen Beinen ging es nach einiger Zeit besser als erwartet, es lief einfach. Zwischendurch gab es sogar kurze Gespräche mit Läufern, die ich schon kennengelernt hatte. Die Strecke war schöner als gedacht, die Steigungen empfand ich als angenehm, irgendwie passte alles. Mindestens 2 km vor dem Ziel hatte ich schon ein breites Grinsen im Gesicht. Ich konnte schon sicher sein, auch diese Etappe durchgehalten zu haben. Das Gefühl war unbeschreiblich. Am Ende lief ich mit zwei Männern in selber Höhe. Ich dachte, wir laufen gemeinsam ins Ziel, aber sie ließen mir den Vortritt … ich sprang regelrecht ins Ziel. Wer so etwas noch nicht erlebt hat, kann sich diese unbeschreibliche Freude, dieses Glücksgefühl gar nicht vorstellen. Und mein Gehpausen-Partner erwartete mich bereits zum Abklatschen. Auch die anderen Läufer im Ziel strahlten um die Wette.
Ergebnis der 4. Etappe: 5. Platz W50, 35. Frau.
Gesamtwertung nach der 4. Etappe: 7. Platz W50, 41. Frau
nur noch 436 Finisher in der Gesamtwertung

Auf zum Endspurt – Hänsel und Gretel-Etappe:
Die 5. und letzte Etappe startete in Bad Orb mit Ziel Steinau. Letzte 18 km und 209 hm.
Inzwischen war es wieder wärmer geworden. 25°C auf einer Strecke mit wenig Schatten war wieder eine Herausforderung. Am Start wurde bereits von der „Rampe“ gesprochen – der Anstieg, der uns bald erwartete. Ich fühlte mich nicht besonders gut, irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, noch durchlaufen zu können. Aber es ist die letzte Etappe … irgendwie … wird schon. Etwa 1,5 km blieben nach dem Start Zeit, warm zu werden, bevor es aufwärts ging. Und der Anstieg hatte es in sich. Den Namen „Rampe“ hatte er zu Recht bekommen.  Aber was solls. Ich ging zügig den Anstieg hinauf. An Laufen war nicht zu denken. Bald liefen sowieso nur noch Einzelne. Erst als von weitem der höchste Punkt in Sicht kam, begann ich, mich langsam wieder in Trab zu setzen. Schließlich feuerten uns die Zuschauer von oben so lautstark an, dass Gehen einfach nicht denkbar war 😉 Und dann kam die Erlösung. Es ging wieder bergab. Die Strecke war bisher nicht ganz einfach, da immer wieder mit Schotter. Auch bergab musste man wieder auf die vielen Steine achten. Aber wen stört das schon, wenn man bereits so viele Kilometer in den Beinen hat und das Ziel so nah ist. Nach 2 km verließen wir dann den Wald und hatten nur noch fast ebene Strecke vor uns. Im Zick Zack ging es unendlich lange durch Felder und Wiesen. Ich hatte wieder mein Tempo gefunden und hielt durch.
Bei km 13 wiederholte sich das Schild mit der Aufschrift „12 km“. Etwas Verwirrung ringsherum, aber nach Uhrenvergleich waren wir alle wieder beruhigt. Die letzten 2 km begannen, von weitem waren die Dächer von Steinau zu sehen. Das Läuferfeld hatte sich in der Ebene weit auseinandergezogen, die meisten liefen inzwischen für sich allein. Nach jeder Biegung erhoffte ich nun das Ziel, da bereits von weitem der Sprecher und die Zuschauer zu hören waren. Die Zuschauer riefen schon „Willkommen in Steinau“. Die Straße stieg langsam an. Also jetzt müsste ich gleich da sein. Noch eine Kurve. Jetzt kommt aber bestimmt das Ziel. Kurzer Schreck – wieder ein Anstieg. Das Stück bis zum Ziel kam mir noch  mal unheimlich lang vor … aber plötzlich war die Straße dicht mit Zuschauern gesäumt. Klatschen. Jubeln. Anerkennende Zurufe. Mensch, da war ja noch Kraft in meinen Beinen. Sie liefen noch mal schneller. Im Gesicht mein größtes Strahlen. Und sonst nur Gänsehaut. Es kam mir vor, als würden die Zuschauer mich ins Ziel tragen. So viele positive Gefühle durchströmten mich. Ich hatte es geschafft. Nach ca. 80 km im Ziel.  Und das gesund und munter. Einfach unbeschreiblich. Und dann gab es noch eine Überraschung: ich hatte in der letzten Etappe aufgeholt und war auf den 6. Alterklassenplatz gerutscht – noch mehr Freude. Denn für die ersten 6 jeder Altersklasse gab es eine Brüder-Grimm-Medaille 🙂
Ergebnis der 5. Etappe: 4. Platz W50, 36. Frau
Endstand nach der 5. Etappe: 6. Platz W50, 40. Frau
435 Finisher aller Etappen

Angekommen ... Ziel in Steinau

Angekommen … Ziel in Steinau

Gesamtroute des Brüder-Grimm-Laufes

Gesamtroute des Brüder-Grimm-Laufes

Glückliche Finisher beim Brüder-Grimm-Lauf

Glückliche Finisher beim Brüder-Grimm-Lauf

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Ein Gedanke zu „31. Brüder-Grimm-Lauf von Hanau nach Steinau

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