Archiv für den Tag: 30. Juni 2026

Von der Bettmeralp zum Bettmerhorn

39. Aletsch Halbmarathon am 28. Juni 2026

Ein Halbmarathon in den Bergen ist schon etwas sehr besonderes. Seit der Anmeldung Anfang Februar war ich bereits aufgeregt. In großen Höhen habe ich etwas Probleme und war deshalb unsicher, wie es für mich laufen wird.

Laut Ausschreibung erwarteten uns bei diesem anspruchsvollen Berglauf 1.148 m Anstieg und 432 m Abstieg mit Start auf 1.950 m Höhe und Ziel auf 2.650 m.

Auf die Höhe konnten wir uns leider nicht vorbereiten, versuchten aber, genug Höhenmeter zu sammeln. Wir nutzten dafür u.a. die Strecke vom Strahlenburgtrail und den Anstieg auf der Himmelsleiter. Den Brüder-Grimm-Lauf über 5 Etappen und 80 km integrierten wir ebenfalls in die Vorbereitung.

Zeitvorstellungen hatte ich nicht so richtig, da ich in dieser Höhe noch nie gelaufen war. Ich hoffte auf ein Ergebnis unter 3 h, vielleicht wäre auch die Hälfte der Zeit vom Jungfraumarathon realistisch.

Zwei Tage vor dem „schönsten Berglauf Europas“ (laut website) wanderten wir noch eine 10 km-Runde, um uns an die Höhe zu gewöhnen. So gab es schon die ersten unglaublichen Eindrücke zwischen Bettmeralp und Moosfluh – kühle Seen, blühende Bergwiesen, Blick auf die Viertausender des Wallis und an der Moosfluh einen eindrucksvollen Blick auf den Großen Aletschgletscher. Das konnte nur ein toller Lauf werden.

Warten auf den Start

Am Sonntagmorgen 10 Uhr wurde der erste Block bei Sonnenschein auf die Strecke geschickt. Mein Start war 10:10 Uhr, endlich wich die Aufregung den gewohnten Laufgedanken. Wir starteten an der Bergstation der Bettmeralp-Bahnen 1 km bergauf durch das Dorf in Richtung Wald. Die ersten 9 km gingen auf und ab, zunächst durch den Wald, dann mit Anstieg zum Bettmersee und weiter zur Riederalp. Die teils staubigen Wege machte das Atmen bei der Wärme zusätzlich schwer.

Der Anstieg zu km 10 war dann schon sehr steil. Ich bekam meine erste Schwindelattacke und musste kurz innehalten. Erstes Ziel war Ankommen, also nicht übertreiben. Kraft tankte ich immer wieder mit dem fantastischem Panoramablick auf die Viertausender der Walliser Alpen.

Schon bei km 10 angekommen

Der nächste Teil war recht trailig, durch Wald, nah am Abhang … Steine … Wurzeln … volle Konzentration war gefragt.

Nach der 14 km-Marke begann der „Aufstieg“, der bei km 15,54 (nach meiner Uhr) belohnt wurde mit einem umwerfenden Blick auf den gewaltigen Aletsch-Gletscher – Energie aufnehmen und weiter. Das Finale wurde dann richtig hart – der steile zwei Kilometer lange Schlussanstieg am Grat des Bettmershorns kostete unheimlich viel Kraft. Immer wieder musste ich kurz verschnaufen. Die zu überwindenden Absätze waren teils sehr hoch, nicht mit einem einfachen Schritt – für mich zumindest – zu schaffen. Das machte es umso anstrengender. Aber das Ziel war bereits in Sichtweite, noch einmal die letzten Kräfte sammeln und weiter. An einen „Schlusssprint“ war nicht zu denken. Alle Reserven waren aufgebraucht, ich lief gemütlich, aber unheimlich glücklich durch das Ziel.

3:15 h war ich unterwegs, es war unglaublich hart, aber Gedanken wie „nie wieder“ kamen unterwegs nicht. Es war vor allem ein wunderschöner Lauf, Wiederholung ist nicht ausgeschlossen.

Die aufmerksamen Helfer unterwegs möchte ich noch besonders loben. Sie gaben alles, um uns den Lauf zu erleichtern, füllten sogar ruck zuck die Trinkflaschen auf. Die Zuschauer an der Strecke feuerten uns begeistert mit unseren Namen an, die auf der Startnummer standen. Da konnte man ja nur lächeln 🙂

Aber liebe Läufer: wer volle Trinkflaschen und Gels mitnimmt, kann wohl auch leere Flaschen und Gelverpackungen wieder einstecken. Müssen die am Wegrand landen? Das ist auch respektlos gegenüber den Helfern, die mühevoll die gesamte Strecke wieder säubern müssen.

Und hier noch etwas Statistik:
Frauen, angemeldet: 970, gestartet: 844, im Ziel: 763
Männer, angemeldet: 1.546. gestartet 1.113, im Ziel: 1.244
1. Frau: 1:51:02 (Durchschnittspace 5:15 min/km)
1. Mann: 1:36:58 (Durchschnittspace 4:35 min/km)
… Wahnsinn
1. Frau Ak 60: 2:42.25 (Durchschnittspace 7:41 min/km)
ich: 3:15:49 (Durchschnitt 9:16 min/km)